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GLAUBE IM ALLTAG


Vergeben – wie geht das?


UF03-2012-Felsentreppe-1... Wie machen wir das: »vergeben«? Wir sind enttäuscht, gekränkt oder verletzt durch das Tun oder Unterlassen eines anderen. Wir empfinden Schmerz. Wir können darauf ganz unterschiedlich reagieren: – uns rächen, dem anderen auch Schmerz zufügen; – unsere Gefühle verdrängen, indem wir alles beschönigen: »War doch nicht so schlimm; der andere hatte halt eine schwere Kindheit!«; – alles hinunterschlucken: »Ich muss halt immer den unteren Weg gehen!«; – vergessen, verleugnen: »Was er mir angetan hat, ist nie passiert.«

Alle diese Reaktionen haben ihren Preis. Entweder wir fügen dem anderen Schmerz zu oder uns selbst. Denn tiefes Unrecht, das wir erlitten haben, Schmerzen, die uns zugefügt wurden, haben ihre Spuren in der Seele hinterlassen. Wenn wir diese leugnen oder kleinreden, kämpfen wir gegen uns selbst. Vergeben ist anders: Das griechische Wort für »vergeben“ im Neuen Testament heißt »aphiemi« (Mt 6,12). Ein eng verwandtes Wort lesen wir in Markus 1,18, als die ersten Jünger Jesu ihre Netze »verlassen« und dem Herrn nachfolgten. Vergeben bedeutet also »hinter sich lassen«. Ablehnung, Bitterkeit, Schuldzuweisung, Hass hinter sich lassen, den berechtigten Groll aufgeben.

Doch wie soll das gehen? Vergebung geschieht im eigenen Herzen. Sie erfordert viel Kraft und Mut. Intensive Selbstgespräche und Gebete machen es möglich, die Verletzungen loszulassen. Oft hilft auch mit jemand zu reden. Das Geschehene dabei nicht ignorieren oder vergessen. Es wird genau gesehen: als nicht mehr änderbarer Teil unserer Erfahrung. Aber wir bewerten es nicht mehr negativ – zumindest nicht mehr so stark.

Was hilft auf dem manchmal weiten, steinigen Weg zum Vergeben? Zunächst den Schmerz, die Wut zulassen. Dann, sobald es uns möglich ist, fragen, warum gerade das  uns so sehr verletzt hat. Dann: Was hat den anderen zu seinem Tun veranlasst? Wenn wir uns und den anderen verstehen, fällt es oft leichter, loszulassen ... art

 

aus »Nachdenken Nachfolgen« in Unsere Familie Ausgabe 3, 5. Februar 2012 (Foto Daloush / fotolia)