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MEDIEN IM FOKUS

Der Zukunft entgegen – Interview mit Bernd Koberstein

koberstein2110»Ich sehe keinen Anlass, etwas wesentlich anders zu machen als mein Vorgänger.«

Dies bekundet der neu ordinierte Bezirksapostel der Gebietskirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland Bernd Koberstein im Gespräch mit der UF-Redaktion. »Die Gebietskirche ist für die Zukunft gut gerüstet.«

UF: Wie haben Sie die Gottesdienste zwischen der Bekanntgabe und ihrer Ordination am 11. Januar erlebt?

Koberstein: Soweit ich diese Gottesdienste als Dienstleiter zu halten hatte, haben sie mich außerordentlich viel Kraft gekostet. Das mag an dem Gedanken gelegen haben, die Geschwister sähen in mir schon den Bezirksapostel, der ich aber noch nicht war.

War es für Sie ein großer Einschnitt, den Beruf eines Finanzbeamten aufzugeben und Sekretär des Bezirksapostels zu werden?

Ich war begeisterter Finanzbeamter, vor allem die Arbeit als Dozent an der Fachhochschule, wo ich viel mit jungen Leuten gearbeitet habe, hat mir große Freude bereitet. Es war für mich nach der Ordination zum Bischof allerdings mental nicht einfach, diese beiden Schienen zu bedienen. Auch eine Reduzierung der Arbeitszeit in der Finanzbehörde war aufgrund der Bestimmungen des Hessischen Beamtengesetzes nicht in dem erforderlichen Umfang möglich. Als mich dann Bezirksapostel Wend fragte, ob ich mir vorstellen könne, beim Finanzamt auszuscheiden und sein Sekretär zu werden, habe ich zwar nicht sofort zugesagt. Ich wollte das zuerst mit meiner Frau besprechen. Aber die Schwierigkeiten bei der Koordination der beiden Arbeitsfelder machten für mich die Entscheidung leicht. Hinzu kam, dass ich meinen Bezirksapostel sehr schätzte und ich mir eine Zusammenarbeit mit ihm gut vorstellen konnte.

Als Sekretär des Bezirksapostels haben Sie Einblick bekommen in die Arbeit, die jetzt auf Sie zukommt. Was haben Sie aus dieser gemeinsamen Zeit mitgenommen?

Aus dieser Zeit habe ich mitgenommen, in welcher Art die anstehenden Arbeiten erledigt werden sollten. Es ist sicherlich ein gewisser Vorteil, diese Abläufe zu kennen. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet. Ich werde mich bemühen, die Arbeit meines Vorgängers in diesem Sinn fortzuführen.

Nach außen hin besteht der Eindruck, Sie übernehmen eine finanzschwache Gebietskirche. Ist das auch die Realität?

Ich weiß nicht, woher dieser Eindruck kommt. Sicherlich ist die Gebietskirche Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland eine kleine Gebietskirche. Die Missionsländer kosten viel Geld. Von den insgesamt ca. 141.000 Gläubigen leben knapp 100.000 in Afrika. Mein Vorgänger hat jedoch sehr solide und sparsam gearbeitet und hervorragend gehaushaltet. Wir müssen uns gegenwärtig in unserer Gebietskirche über unsere Finanzen keine großen Sorgen machen.

Welche Hauptakzente haben Sie für Ihre Arbeit als Bezirksapostel festgelegt?

Ich sehe keinen Anlass, etwas wesentlich anders zu machen als mein Vorgänger. Wie er die Dinge gesehen hat, so sehe ich sie auch. Ich werde mich bemühen, seine Strategien und Konzepte fortzuführen. Völlig klar ist für mich, wenn der Stammapostel etwas vorgibt, dann werde ich das 100%ig umsetzen, so wie es Bezirksapostel Wend mit großer Loyalität getan hat.

Was ist für Sie der Antrieb für ihren Amtsauftrag?

Der Ruf Gottes. Das ist tief in mir verwurzelt. Ich habe nie den Gedanken gehabt, für ein Amt geeignet zu sein. Aber wenn der Herr gerufen hat, bin ich dem Ruf gefolgt, habe auf seine Hilfe vertraut und ihn auch immer wieder erleben dürfen. So halte ich es auch jetzt.

In einem Interview haben Sie einmal geäußert, Ihr Lebensmotto sei das Wort aus Matthäus 6,33 »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes …« Wie kam es dazu?

Ich begann nach der Bundeswehrzeit meine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Ich war damals Unterdiakon und bat in Kassel meinen Bezirksevangelisten: »Bitte, bete für mich.« Da sagte er: »Junge, ich denk an dich; aber denk du an das Wort in Matthäus 6,33.« Kurze Zeit später sprach ich mit Bischof Rudolf Schilling. Er versprach, für mich zu beten und gab mir das gleiche Wort mit auf den Weg. Ich begann meine Ausbildung an einem Montag und ging am Mittwochabend in Rotenburg/Fulda in den Gottesdienst. Und als Textwort las der Dienstleiter Matthäus 6,33 vor. So ist dieses Wort mein Lebensmotto geworden und ich habe mit der Befolgung dieses Wortes großartige Erlebnisse gehabt.

Sie sind musikbegeistert. Wollen Sie diesen Bereich fördern? Sind neue musikalische Akzente zu erwarten?

Für die Musikausübung in unserer Kirche liegt ein umfangreiches Konzept vor, das viele Möglichkeiten bietet. Ich habe vor allem den Nachwuchs im Auge, ihn müssen wir fördern. Auch auf diesem Gebiet brauche ich nur fortzusetzen, was bereits auf dem Weg ist.

Gibt es Pläne für den Bereich der Jugend?

Wir machen uns schon lange intensiv Gedanken über die Jugendarbeit, weil manche Jugendliche den Gottesdiensten und den Jugendstunden fernbleiben. Das hat unterschiedliche Gründe. Ich werde auch weiterhin daran arbeiten, die Jugend für ihre Kirche zu begeistern und sie einzubinden. Sie müssen wissen, warum das »ihre« Kirche ist und warum sie da hingehen. Dazu ist auch erforderlich, dass wir etwas für die Jugendleiter tun. Einen Start werden wir auf dem Europa-Jugendtag haben, denn hier wird auch für die Jugendleiter etwas angeboten. Das möchten wir für unsere Gebietskirche aufgreifen, ausbauen und fortführen. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang zudem, dass noch mehr geeignete Jugendleiterinnen in der Jugendarbeit eingesetzt werden.

Wie sieht es mit Schulungen für Seelsorger aus?

Auch daran arbeiten wir. In unserer Gebietskirche gibt es eine Arbeitsgruppe »Unterweisung für Amtsträger«, die sich mit dieser Thematik befasst. Ich weiß sehr wohl, dass viele unserer Brüder beruflich sehr belastet sind. Es gibt immer einige, die sagen, wir machen zu wenig, und es gibt andere, die sagen, wir machen zu viel. Es wird meine Aufgabe sein, auch künftig einen guten Mittelweg zu finden.

Möchten Sie neue Wege im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit einschlagen?

Wie gesagt: ich sehe auf keinem Gebiet die Notwendigkeit, völlig neue Wege einzuschlagen. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit will ich das bereits Laufende fortsetzen. Dabei wünsche ich mir mehr Präsenz in der Öffentlichkeit. Wir wollen alle Chancen nutzen, uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hier sehe ich in der Tat Verbesserungspotenzial.

Ein Grund dafür ist sicherlich die Nichtmitgliedschaft der NAK in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ACK.

Richtig. Hier muss man abwarten, was die Gespräche auf Bundesebene bringen. Ich wünsche mir, dass wir als NAK zumindest einen Gast- bzw. Beobachterstatus erhalten. Auf der Ebene einiger Ortsverbände ist das bereits erreicht.

Wie viel Zeit bleibt für die Familie?

Sicherlich nicht besonders viel. Für mich ist dabei ganz wichtig, dass die Familie das Empfinden hat: Wir sind ihm wichtig. Dann ist es nach meiner Ansicht keine Frage des Zeitvolumens, das für die Familie zur Verfügung steht. Wann immer Zeit ist, gehört sie der Familie und wird entsprechend genutzt.

In einem Interview haben Sie einmal als eine Schwäche »Blauäugigkeit« angegeben. Wie ist dies zu verstehen?

Mir fällt es sehr schwer, hinter der Handlungsweise von Menschen immer grundsätzlich zuerst etwas Schlechtes zu erwarten. Ich möchte eigentlich jeden Menschen und jeden Sachverhalt positiv sehen. Wenn eine Person oder eine Sache Negatives und Positives aufweist, möchte ich mehr das Positive sehen. Dabei erlebt man natürlich auch Enttäuschungen. Und das meine ich mit dieser Blauäugigkeit. Man ist unter Umständen nach dem Geschmack von Beobachtern zu lieb. Ich möchte jedoch eher zu lieb sein, als das Gegenteil. Das bedeutet aber nicht, dass ich nur lieb sein will und alles laufen lasse. Das kann nicht sein, es wäre verantwortungslos.

 

Das Gespräch mit Bezirksapostel Bernd Koberstein führte Peter Wild. Das komplette Interview ist abgedruckt in »Unsere Familie« Ausgabe 2, 20. Januar 2009, Verlag Friedrich Bischoff GmbH, Frankfurt; zum Download des Interviewauszugs