MEDIEN IM FOKUS
Analysieren, Chancen erkennen – Interview mit Mark Woll
Auszug aus dem Interview mit dem Leiter der neuapostolischen Gebietskirche Kanada, zuständig auch für die Seelsorge in Kambodscha und in Indien.
Warum wurde Kambodscha nicht an Südostasien abgetreten?
Dafür gab und gibt es mehrere Gründe:
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Die Verbindung zwischen Kambodscha und Kanada ist sehr eng. Die Kirche in Kambodscha wurde durch die Gebietskirche Kanada gegründet.
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In Kanada bestehen viele lebendige kambodschanische Gemeinden und die Geschwister haben noch Verbindung zu ihrer ursprünglichen Heimat.
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Bischof Voeun – ein in Kanada lebender Kambodschaner – ist die kambodschanische Schlüsselfigur: Er spricht ihre Sprache sowie Englisch. Die Tatsache, dass er in Kanada lebt und der Ansprechpartner für die Reisen nach Kambodscha ist, ist dieser Situation sehr dienlich.
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Als die Gebietskirche Südostasien gegründet und Bezirksapostel Hebeisen anvertraut wurde, wurde Indonesien diesem ausgedehnten Arbeitsbereich hinzugefügt. Dieser Zusammenschluss war so umfangreich, dass die Integration anderer Länder wie Kambodscha die Lage noch komplizierter gemacht hätte.
Als Bezirksapostelhelfer haben Sie fast drei Monate im Jahr in Indien gewirkt. Wie sieht die weitere Entwicklung dort aus? In einer der letzten Bezirksapostelversammlungen haben Sie einen Plan vorgelegt, wie sie die Kirche in diesem Land neu aufstellen wollen.
Wir haben Bezirksapostelhelfer Devaraj die Schlüsselposition in Indien zugewiesen. Künftig werde ich nur zwei Reisen im Jahr nach Indien unternehmen, um unseren Bezirksapostelhelfer zu unterstützen. Die gegenwärtige Strategie sieht vor, die Gemeinden zu festigen. Die 18 Apostelbezirke werden wir auf zwölf reduzieren, da ältere Apostel in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten werden.
Indien ist eine aufstrebende wirtschaftliche und finanzielle Großmacht. Wie sehen Sie das und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Kirche?
Darf ich zunächst das Wort Konsequenz durch Chance ersetzen? Unsere Kirche ist in ländlichen Gegenden sehr erfolgreich gewesen. Jetzt besteht die Möglichkeit, die mittlere Klasse zu gewinnen, die jährlich um 30 Millionen Menschen anwächst. Indien wird voraussichtlich im Jahr 2025 die fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sein. Dadurch können wir auch die geistige und finanzielle Unabhängigkeit gewinnen, weil mehr Menschen durch Bildung einen höheren Lebensstandard erreichen. Andererseits führt die wachsende Wirtschaft zu höheren Preisen, besonders auf dem Immobilienmarkt. Das bedeutet für uns eine zusätzliche finanzielle Herausforderung, denn wir haben uns das Ziel gesetzt, in den Ballungsgebieten ansehnliche Kirchen zu bauen.
Wirkt sich das indische Kastensystem auf die Gemeinschaft unserer Geschwister in Indien aus? Ist das möglicherweise eine Hürde für den Aufbau einer unabhängigen Gebietskirche?
In den Gemeinden spielt das Kastensystem keine große Rolle. Es ist im gesellschaftlichen, aber nicht im Gemeindeleben präsent. Das ist ein Resultat unserer neuapostolischen Kultur. Deshalb ist dies keine Hürde für sie unabhängig zu werden.
Welchen Herausforderungen ist das Christentum in Indien heutzutage ausgesetzt? Werden Christen verfolgt?
Obwohl die Christen nur zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, werden sie im Allgemeinen nicht verfolgt. Inder genießen Glaubensfreiheit. Verfolgungen gibt es nur, wenn jemand seinen Glauben öffentlich zur Schau stellt.
Wäre eine unabhängige indische Gebietskirche finanziell realisierbar? Viele Mitglieder leben doch in weniger privilegierten Verhältnissen.
In der Tat leben die meisten indischen Gotteskinder in armen bis bescheidenen Verhältnissen, daher ist die finanzielle Selbstständigkeit eine Herausforderung. Aber wie bereits angedeutet, arbeiten wir daran.
Die Gebietskirche Kanada hat sich viele Jahre lang auf die Missionsarbeit konzentriert. Werden Sie jetzt die Kräfte bündeln für die Seelsorge im eigenen Land?
Es ist wahr, dass wir etwas dünn »besiedelt« sind. Aber meine Vorstellung hinsichtlich der Seelsorge in Kanada ist: »Weniger ist mehr«. Wir haben zu viele Prioritäten, die miteinander konkurrieren. Ich strebe an, jedes Jahr eine andere Priorität zu setzen. Wir können nicht alles auf einmal machen. Lieber weniger unternehmen, das aber richtig, anstatt alles anzufangen. Zum Beispiel wollen wir uns im ersten Jahr auf die Seelsorge der Geschwister konzentrieren. Es ist wunderbar, wenn es die vorrangige Einstellung in den Gemeinden ist, einander zu helfen, und wenn alle von Liebe erfüllt sind. So entstehen starke, lebendige Gemeinden.
Bezirksapostel Mark Woll wurde am 13. März 1959 geboren und dient seit 14. Mai 2000 als Apostel. Am 14. April 2002 erhielt er den Auftrag als Bezirksapostelhelfer zu dienen. Seit 21. November 2010 leitet er die Gebietskirche Kanada, zu der auch Gemeinden in Asien (Bangladesch, Kambodscha, Indien, Nepal, Pakistan und Sri Lanka) und Afrika (Republik Kongo, Ruanda, Tschad und Zentralafrikanische Republik) gehören. Bezirksapostel Woll ist seit 1983 verheiratet und Vater von drei Kindern.
Das ganze Interview ist abgedruckt in Unsere Familie Ausgabe 5, 5. März 2011.