MEDIEN IM FOKUS
Arbeit und Amt – Porträt
… Tagsüber »Im Namen des Gesetzes« handeln, sonntags und mittwochabends »Im Namen des Herrn« aktiv sein – geht das? Für den 34-jährigen Staatsanwalt und neuapostolischen Priester Gunnar H. ist dies kein Widerspruch. »Ich werde täglich mit der Problematik von Sünde und Schuld, von Sühne und Gerechtigkeit konfrontiert«, räumt der Bochumer Staatsanwalt ein. »In meinem Beruf muss ich sachliche Distanz wahren und als Staatsanwalt denken und handeln; als Christ darf ich aber nicht den Stab übereinen Tatverdächtigen brechen.« Dies sei manchmal nicht einfach, gerade wenn es um Taten gehe, in denen Kinder missbraucht oder misshandelt wurden. Er bemühe sich, mit jedem Beschuldigten anständig und respektvoll umzugehen. »Durch meine beruflichen Erfahrungen und meine juristische Ausbildung sehe ich Sünde und Schuld differenzierter«, gesteht Staatsanwalt H.
Nicht immer falle es ihm leicht, den einen oder anderen Fall gedanklich so abzulegen, dass dieser ihn nicht in den Gottesdienst begleite. Gerade unter der Woche falle es schwer nach einem Acht- bis Zehnstundentag »den Schalter umzulegen« und sich auf das Wort Gottes einzustellen oder gar einen Gottesdienst zu halten.
Gerichtsserien in den Nachmittagsprogrammen verschiedener Fernsehsender sieht sich Gunnar H. nicht an. »Sie sind unrealistisch.« Vor allem die Hauptverhandlungen liefen in der Realität viel ruhiger und gesitteter ab als im Fernsehen. »Es gibt weniger Überraschungsmomente«, berichtet der Staatsanwalt aus seiner Erfahrung. In den Serien sei dies anders, um den Spannungsbogen zu erhalten. Auch Krimis wie »Tatort« oder »Soko« schaut sich Priester H. selten an – nur für Jan Josef Liefers und Axel Prahl im Münsteraner »Tatort« kann er sich begeistern: »Die nehmen sich nicht so ernst.«
Gunnar H. liebt seinen Beruf. Das Stöbern in Akten, das Sammeln von Fakten – der 34-Jährige kann sich das noch viele Jahre vorstellen. An einen Aufstieg zum Oberstaatsanwalt verschwendet er keinen Gedanken. »Dann ist man mehr in der Organisation tätig und hat nicht mehr so viel mit Ermittlungsarbeit zu tun«, sagt Staatsanwalt H. Das Telefon klingelt – ein neuer Fall wartet auf ihn. pit
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