Sie befinden sich: UNSERE FAMILIE ONLINE MEDIEN IM FOKUS
Deutsch | English | Français

MEDIEN IM FOKUS

Das »Glück« in der Bibel

glueck-fotolia-1Sie wollen glücklich sein? Dann merken Sie sich am besten den Satz: Wir sind nicht auf der Erde, um glücklich zu sein. Jesus sagte es klar: »Will mir jemand nachfolgen, der nehme sein Kreuz auf sich.« Ist deshalb nur ein unglücklicher, mit Kreuz beladener Christ ein guter Christ? Nein, ganz sicher nicht.

Glück im Neuen Testament?

Im Neuen Testament wird tatsächlich von Glück gesprochen. Allerdings weniger von irdischem Glück. Doch es ist kein ausschließliches Jenseits-Glück, was in der christlichen Botschaft aufleuchtet. Das Evangelium schafft gute Voraussetzungen, dass der Gläubige schon auf Erden einen Vorschmack himmlischen Glücks erfahren kann.

Jesus und sein Blick aufs Glück

Jesus hat seine Zuhörer in der Bergpredigt überrascht mit verwirrenden Aussagen zum Glück: Selig – das heißt voller Glück und Freude – nennt er die geistlich Armen, die Leid Tragenden, die Sanftmütigen, die nach Gerechtigkeit Hungernden, die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Friedfertigen, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten. Das widersprach damals allen Erfahrungen wie man auf Erden glücklich wird – und es widerspricht auch heute vielen Empfehlungen, wie man zu großem Glück kommt. Nicht das erfolgreiche Streben nach Macht, Reichtum, irdischer Weisheit, nicht das gerissene, egoistische Verhalten verspricht nach Christus die höchste Stufe des Glücks, die Seligkeit. Gott lohnt ein anderes Verhalten. Sein Lohn macht wahrhaft glücklich: unaufhörliche Gemeinschaft mit dem Allerhöchsten und seinem Sohn, Teilhabe am Himmelreich. Neben der Bergpredigt hat Jesus noch an zahlreichen Stellen indirekt über Glück und Wege dahin gesprochen. So auch als die Jünger sich über die Macht freuten, die sie in Jesu Namen über die Geister hatten. Der Herr lehrte sie, ihr wahres Glück liege darin, dass ihre »Namen im Himmel angeschrieben« seien.

Glück im Fasten und der Entbehrung?

Der Sohn Gottes hat nicht gelehrt, dass der Mensch durch Fasten und bewusste, selbst auferlegte Entbehrung zum Glück gelange. Doch er lässt keinen Zweifel: Der Weg zum Heil, zum Glück kann durchaus auch durch entbehrungsreiche Tage gehen. Solche Zustände sollten Christen nicht auf ihrem Weg zu Gott aufhalten und im Streben nach Heil und Glück irre werden lassen. Jesus hat nicht die Askese als Weg zum Glück empfohlen. Er schenkte der Hochzeitsgesellschaft zu Kana neuen, leckeren Wein, er rechtfertigte, dass seine Jünger nicht fasteten und verteidigte sie sogar, als sie ihren Hunger am Sabbat stillten mit Ähren, die sie ausrauften. Die große Menge der Zuhörer speiste der Sohn Gottes mit Fischen und Brot. Mahlzeiten nutzte er zu wichtigen Lehraussagen. So in Bethanien oder an Gründonnerstag. Nicht ohne Grund wird eine der größten und wichtigsten liturgischen Handlungen in christlichen Kirchen »Abend- Mahl« genannt. Der Weg zum Glück für einen Christen liegt im Evangelium, der frohen Botschaft, im Hören und Befolgen des Wortes Gottes. Nicht in selbst auferlegter Kasteiung und Entbehrung.

Glück im Jenseits

Im Johannesevangelium stellt sich Christus selbst als den wahren Grund der Seligkeit, des vollkommenen Glücks vor: »Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden«. Christus erkennen, an ihn glauben, sein Wort hören und ihm nachfolgen, das skizziert der Herr als Weg zum Glück. Er wird alle, die an ihn glauben und ihm nachfolgen, zu sich in die Herrlichkeit des Vaters ziehen. Das ist für einen gläubigen Christen die höchste Form erfahrbaren Glücks. Und dieses Glück währt unaufhörlich – damit übertrifft es irdisches Glück bei weitem. Jesus hat seinen Jüngern nie das Paradies auf Erden versprochen. Auf Erden ist Angst, ist Leid, sind Schmerz und Ungerechtigkeit. Das Glück, das auf Erden erlebt werden kann, ist immer gefährdet und unvollkommen. Das wahre, ungetrübte Glück erlebt der Christ bei Gott im Himmel.

Glück im Diesseits

Es wäre jedoch ungerecht zu behaupten, das Glück, das Gott schenkt, sei allein im Jenseits zu finden. Glück, Heil, sieht der Sohn Gottes nicht in irdischen Schätzen, in Besitz und Geld. Vielzitiert der Satz des Herrn: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.« Doch zugleich weist Christus auf das Wesentliche hin: »Bei Gott sind alle Dinge möglich« – auch der Zugang zum Himmel für einen Reichen. Gottes Gnade ist der wahre Grund für Heil und Glück. Leben, so sagt Christus, ist nicht die Jagd nach Reichtum oder nach sinnlichen Erlebnissen. Überspitzt rät der Herr sogar dazu, sich das Auge, das uns ärgert, indem es nach Sündigem Ausschau hält, auszureißen. Das Lebensglück liegt für den Heiland auch nicht in der Sorge und im Streben nach Genuss und Wohlergehen. Er empfiehlt als tiefsten Sinn des Lebens – nennen wir es provokant den sichersten Weg das Glück zu finden – »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.« Eine Sorglosigkeit aus tiefem Glauben und ein kindliches Vertrauen Gott gegenüber legt er seinen Zuhörern nahe: »Sorgt nicht für morgen. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.« Jesus Christus vergibt uns die Sünden. Das eröffnet die Chance, uns zu freuen – unbelastet von Fehlern, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Das Evangelium kann uns von allzu großer Sorge um die irdische Gegenwart befreien. Die Gnade des Herrn eröffnet auch dem unvollkommenen Sünder eine über alle Maßen selige Zukunft. Bessere Voraussetzungen zum Glück schon auf Erden gibt es wohl nicht für einen Menschen: Unbelastet von der Vergangenheit, sorglos in der Gegenwart und eine großartige, gnadenvolle Zukunftsaussicht! Wer wollte einen solchen Menschen unglücklich nennen?

Martin Arzt in Unsere Familie Ausgabe 13, 5. Juli 2010, aus der UF-Reihe »Was ist Glück?« – Teil 3 (Foto fotolia)