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Die »Bischoff-Botschaft« – ein politisch heißes Eisen? Das gilt nur noch für einen kleinen Teil der Neuapostolischen Kirche und ihrer Kritiker. So sehen es die Gründer des überkonfessionellen »Netzwerk Apostolische Geschichte« (NAG). Dennoch kommt das Thema voraussichtlich an Weihnachten erneut aufs Tapet – und zwar in »Wikipedia«.
»Ich bin persönlich überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, und dass die Reichsgottesgeschichte im Weinberg des Herrn mit mir ihr Ende erreicht … Der Herr wird zu meiner Zeit kommen.« Diese Worte sprach Stammapostel Johann Gottfried Bischoff im Dezember 1951. Sie gingen unter dem Begriff »Botschaft« in die Geschichte der Neuapostolischen Kirche ein. 60 Jahre später greift ein Artikel im freien Online-Lexikon »Wikipedia« dieses Geschehen auf. Auf diesen Text verlinkt die Startseite voraussichtlich am ersten Weihnachtsfeiertag.
»Das Thema Bischoff-Botschaft ist in den vergangenen Jahren immer relevanter geworden«, erklärt Sebastian Müller-Bahr, stellvertretender Vorsitzender des Netzwerkes Apostolische Geschichte, auf Anfrage von UF-online. Er wisse zwar, wer die Idee zur Wikipedia-Platzierung hatte, nennt jedoch nicht den/die Initiator/en. »Denn es gibt welche, die es nicht gut finden, dass dieser Artikel auf der Startseite von Wikipedia steht«, begründet er.
Müller-Bahr gehört seit 2007 zu den rund 6.700 Autoren, die regelmäßig für die deutsche »Wikipedia« schreiben. Ferner fungiert er als sogenannter »Sichter«. Müller-Bahr: »Sichter müssen Änderungen von registrierten oder nicht registrierten Autoren bestätigen, bevor sie in Wikipedia allgemein abrufbar sind«. Zurzeit pflegt er 80 bis 100 Artikel aus dem apostolischen und neuapostolischen Bereich. Die Artikel sollen somit vor »unprofessionellen oder falschen Textabschnitten« bewahrt werden. »Grundsätzlich müssen alle Artikel einen neutralen Standpunkt haben und nachprüfbar sein.«
Seit vielen Jahren informiert die Wikipedia-Startseite, die täglich von 230.000 Menschen angeklickt wird, unter anderem über Jahrestage und verknüpft diese mit entsprechenden Artikeln. Dafür werden im Zuge von Online-Diskussionen frühzeitig fünf Ereignisse ausgesucht. »Manchmal geschieht diese Auswahl schon bis zu drei Jahre im Voraus«, erläutert Müller-Bahr die Vorgehensweise.
Dazu gehöre an Weihnachten 2011 auch der 60. Jahrestag der »Botschaft« des Stammapostels Bischoff. »Mein Anliegen ist es, dass die Seite qualitativ hochwertig ausgearbeitet wird«, argumentiert Müller-Bahr. »Es besteht die Möglichkeit, interessierten Menschen sachlich und neutral die Geschehnisse rund um die Botschaft darzustellen. Diese sollten wir nutzen.« Eine Verlinkung könne aber noch »gekippt werden«, wenn sich zwischenzeitlich ein Thema mit größerer Relevanz ergebe.
Der Hobbyhistoriker findet, es sei der richtige Zeitpunkt, um die Thematik »Botschaft« aufzuarbeiten. »Sie sollte nicht totgeschwiegen werden, sondern wir sollten zur Geschichte stehen.« Man könne die Zukunft nur gestalten, wenn man aus den alten Fehlern gelernt habe. Müller-Bahr ist sich bewusst, dass mit Reaktionen zu rechnen sei wie z. B. »Wieso holt ihr das Schlechte wieder raus?« Es gebe halt viele Gläubige, die nichts auf die Kirche kommen lassen; auf der anderen Seite erwarteten einige Hardliner eine Entschuldigung der Kirche, würden aber trotzdem »weitermeckern, weil ihnen dann vielleicht die Wortwahl nicht gefällt«, so schätzt Müller-Bahr.
An der Basis, darin sind sich er und der NAG-Vorsitzende Mathias Eberle einig, »ist das Thema ,Botschaft’ schon gegessen«. »Die, denen das Problem noch wichtig ist, sind in der Minderheit – aber mittlerweile in allen Amtsstufen vertreten«, meint Mathias Eberle, der ebenso wie Bahr bei diesem Thema nur für sich und nicht für den gesamten Verein spricht. Daraus entstehe ein »innerkirchlicher Druck«. Das Engagement für dieses Thema komme weniger aus den Reihen von ehemaligen Kirchenmitgliedern oder aus anderen apostolischen Gemeinschaften.
An die »Botschaft« werde die Kirche wohl immer erinnert werden, mutmaßt der NAK-Pressesprecher, Bischof Peter Johanning auf Anfrage von UF-online. Er verstehe, dass ältere Geschwister immer noch sensibel auf die Thematisierung reagierten. »Das müssen wir respektieren und ihnen immer wieder für Gespräche zur Verfügung stehen.« Jüngere Glaubensgeschwister zeigten hingegen kaum Interesse an den Vorgängen jener Tage.
Die Kirchenleitung habe von dem geplanten Artikel in Wikipedia durch eine Fotoanfrage erfahren, erklärt der Pressesprecher auf Anfrage von UF-online. Wikipedia sei aus der heutigen Kommunikationswelt nicht mehr wegzudenken.
Zur Thematik »Botschaft« gelte nach wie vor, was Stammapostel Leber vor Jahren äußerte: »Die Angelegenheit bleibt eine Sache des Glaubens. Die Dogmatisierung der ,Botschaft’ war allerdings nicht gut und darf sich nicht wiederholen.« Diese Haltung sollte nach Ansicht des Kirchensprechers »ausreichen, um einen versöhnlichen Diskussionsbeitrag für die Zukunft zu gewährleisten«.
»Versöhnung ist für uns mehr als Aufarbeitung«, betont Johanning. Das Letzte solle man tun, das Erste sei ein längerer Prozess, den Stammapostel Leber bereits beim Europa-Jugendtag 2009 in Düsseldorf eingeleitet habe. Auch die beiden NAG-Gründer, Mathias Eberle und Sebastian Müller-Bahr, sind der Ansicht, dass Versöhnung nicht nur eine kirchenpolitische Angelegenheit ist, sondern auch auf der persönlichen Ebene stattfinden muss. (pit/ran)
siehe Johann Gottfried Bischoff auf Wikipedia
zur Botschaft auf APWiki
siehe auch UFonline:
Johann Gottfried Bischoff: 50. Todestag
Stammapostel Leber spricht Bischoff-Botschaft an
NAK: Geschichtsaufarbeitung mit dem Ziel der Versöhnung
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