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Die Zeichen an der Wand

Sergii_Moscaliuk_Fotolia-1»Die Zeichen an der Wand«, Menetekel, sind überdeutlich zu sehen – nur ein Narr erkennt sie nicht. So erging es dem König Belsazar und seinen Hofschranzen. Nur Daniel, ein judäischer Fremdling am babylonischen Hof, verstand die Zeichen.

Das Buch Daniel ist zweigeteilt: Der erste Teil handelt vom Aufstieg und der Bewahrung des Judäers Daniel am Hof in Babylon (Dan 1–6), der zweite gibt die Visionen Daniels wieder (Dan 7–12). Einzigartig ist auch die sprachliche Zweiteilung des Buches: Die Kapitel 1,1–2,4 und 8–12 sind Hebräisch geschrieben, also in der üblichen Sprache des Alten Testaments, der Rest auf Aramäisch, der damaligen Verkehrssprache im Vorderen Orient. So recht erklären, warum dies so ist und warum das Aramäische auch auf den ersten Visionsteil übergreift, kann man nicht.

Die Geschichten um Daniel und seine Freunde sind wohl jedem Bibelleser geläufig: Da wird erzählt, wie Daniel und seine ebenfalls judäischen Freunde an den Königshof nach Babylon kommen und dort zu Hofpagen erzogen werden (Dan 1). Es war damals durchaus üblich, nach Eroberungszügen junge Männer an den Hof zu holen und als Pagen dienen zu lassen.

Nebukadnezar, der König der Babylonier, hat einen Traum, in dem er den sprichwörtlich gewordenen »Koloss auf tönernen Füßen« sieht. Daniel deutet den Traum derart, dass die irdischen Weltreiche nicht von Bestand sind (Dan 2). Welche Reiche er meint, lässt sich nicht genau sagen, eine plausible Deutung ist: Das erste Reich ist Babylon, das zweite Medien, das dritte Persien, das vierte das Reich Alexanders des Großen, der das Perserreich erobert. Das Reich Alexanders zerfällt unter seinen Nachfolgern, den Diadochen. Der Gott des Himmels, so fährt Daniels Deutung fort, wird aber alle Reiche zermalmen und sein Reich, das immer währt, aufrichten (vgl. Dan 2,44).

Kapitel 3 erzählt von der fBewahrung der drei Männer im Feuerofen, die standhaft bleiben gegenüber den Verführungen ihrer Umwelt. Die jungen Männer, die sich an Gottes Gebote halten, werden von Gott wunderbar bewahrt. Erneut wird ein Traum Nebukadnezars erzählt (Dan 4). Dann folgt die Geschichte mit dem Menetekel, den Zeichen an der Wand: König Belsazar lästert bei einem Gelage den Gott Israels, als eine geheimnisvolle Schrift an der Wand erscheint; allein Daniel vermag diese zu enträtseln. Der Spruch mene mene tekel u-parsin bedeutet: Gezählt (sind die Tage des Belsazars), gewogen (und zu leicht befunden der König selbst), (das Reich Belsazars wird) geteilt und den Persern gegeben. Noch in derselben Nacht erfüllt sich die Prophetie (Dan 5) … L.S.

mehr in Unsere Familie Ausgabe 3, 5. Februar 2012 (Foto Sergii Moscaliuk / fotolia)