HINTERGRUNDWISSEN
Die Kopten
Kairo, Ägypten: Koptisches Viertel, Schwebende Kirche (Foto Gina Sanders / fotolia)
»Koptischer Papst Shenouda erhält den Augsburger Friedenspreis«, war am 29. Oktober 2011 in den Zeitungen zu lesen (wir berichteten). Was wie eine Randbemerkung der konfessionellen Presse aussieht, hat ernste Hintergründe: den »Arabischen Frühling« und die Unterdrückung von Christen in Ägypten.
Als ob der im vergangenen Jahr gestürzte ägyptische Präsident Mubarak den Deckel auf dem brodelnden Topf gehalten hätte, brechen kurz nach dem Erfolg der Demokratiebewegung gewalttätige Ausschreitungen gegen Christen in Ägypten auf. Welche Christen sind das eigentlich, die in Ägypten bedroht sind? Und warum heißt ihr Oberhaupt »Papst«?
Mit Entsetzen verfolgt man die Geschehnisse in Ägypten: Kirchen werden geschändet, Gläubige am Besuch des Gottesdienstes gehindert, ja körperlich bedroht, und nicht selten wird die Drohung in die Tat umgesetzt. Ägypten ist jedoch seit den Ursprüngen der Kirche ein zutiefst christlich geprägtes Land. Um den Nachstellungen des Herodes zu entgehen, zieht die Familie Jesu nach Ägypten, wie das Matthäusevangelium berichtet (vgl. Mt 2,13–15). Die Christen in Ägypten führen die Entstehung ihrer Kirche auf die Mission des Evangelisten Markus zurück. Die Tradition berichtet vom Märtyrertod dieses Apostelschülers um 68 n. Chr. in Alexandria. Historisch belegt ist ein Bischof mit Namen Demetrius, der um 180 in Alexandria wirkt. Die Mönchsväter Antonius und Pachomius ziehen sich, um ganz Gott zu dienen, im 3. und 4. Jahrhundert in die Wüste zurück. Sie gründen die ersten Eremitengemeinschaften und die ältesten Klöster der Christenheit entlang des Nils.
Alexandria ist schon seit den ersten Jahrhunderten vor Christi Geburt eine geistige Hochburg: Weithin bekannt ist die dort ansässige jüdische Gelehrsamkeit, der wir die erste griechischsprachige Übersetzung der hebräischen Bibel (die Septuaginta) verdanken; berühmt sind die Bibliothek und das Museion, wo sich die bedeutendsten Gelehrten und Künstler treffen. So verwundert es nicht, dass Alexandria ein bedeutendes Zentrum der frühchristlichen Gelehrsamkeit wird: Dort wirken Klemens von Alexandria († 215) und Origenes († 253 oder 254), unter ihnen entsteht die Alexandrinische Katechetenschule, eine der ersten christlichen Bildungseinrichtungen.
Beim theologischen Streit um die Lehre von Christus auf dem Konzil von Chalkedon (451) spaltet sich die Kirche in Ägypten mit anderen gleichgesinnten Kirchen von der restlichen, griechisch-orthodoxen Kirche ab. So gibt es bis heute in Ägypten in der griechisch-orthodoxen Kirche noch gut 5.000 Mitglieder, während die koptisch-orthodoxe Kirche in dem Land etwa zehn Millionen Gläubige zählt. Beide Patriarchen dieser Kirchen werden seit alter Zeit auch mit dem Titel »Papst« (von griechisch pappas: Vater, Bischof) angeredet. Seit 1971 ist Patriarch Shenouda III. von Alexandria Oberhaupt der Kopten, die etwa zwölf Prozent der ägyptischen Bevölkerung ausmachen. Daneben gibt es noch eine koptisch-katholische und eine koptisch-evangelische Kirche, allerdings mit weitaus geringerer Mitgliederzahl. Das Wort »koptisch« bedeutet übrigens »ägyptisch« ... L.S.
mehr in Unsere Familie Ausgabe 02, 20. Januar 2012