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Angst und Liebe

Angst und Liebe, zwei Emotionen, die sich entgegenstehen. Liebe entsteht in Freiheit, Angst bedeutet Enge. Gott ist Liebe und setzt der Angst in uns seine Liebe entgegen. Von seiner Liebe erfüllt, können wir Liebe weitergeben an unseren Nächsten. Von Angst bedrängt, fällt uns das dagegen schwer.
Foto: Heinz Meis - Fotolia.com

Friederike war eine Frau, die im letzten Jahrhundert gelebt hat. Sie war nicht reich, aber auch nicht arm. Sie lebte allein in ihrem kleinen Häuschen. Warum sie nie geheiratet hat, wusste niemand so genau. Ging sie einkaufen, hatte sie eine Handvoll Bonbons in der Tasche, die sie an Kinder verschenkte. Die Freude der Kinder über die Nascherei kehrte in ihr Herz zurück. Versonnen lächelnd sah sie den Kindern beim Spielen zu. So konnte das Einkaufen schon mal ein paar Stunden dauern.


Auch bei den Nachbarn war Friederike beliebt. Der Postbote und die Zeitungsfrau waren voll des Lobes über sie. Sie half mit Rat und Tat und steckte jedem, der ihr etwas Gutes getan hat, ein kleines Trinkgeld zu. Einen Teil der Ernte aus ihrem großen Obst- und Gemüsegarten verschenkte sie an arme oder kinderreiche Familien.


Die Veränderung kam schleichend. Ins Nachbarhaus zog eine ausländische Familie ein. Friederike konnte nicht mehr über den Zaun mit den Menschen reden, sie verstand deren Sprache nicht. Hinter ihrem Garten wurde ein Spielplatz eingerichtet. Dort lungerten spätabends Halbwüchsige herum, hörten Musik und ab und zu flog auch ein Ball oder eine Flasche in ihren Garten. Sie wurde misstrauisch und beobachtete die Menschen mit anderen Augen. Dann ließ auch noch ihr Hörvermögen nach. Das verunsicherte sie noch mehr. Die Freude und das Lächeln wichen aus ihrem Gesicht.
Die Kinder warteten vergeblich auf Bonbons. Am Postboten und der Zeitungsfrau hatte sie viel auszusetzen. Jetzt war der Hauptinhalt ihres Lebens, anderen Menschen zu sagen, was sie alles falsch machten.


Jesus Christus kam auf die Erde, um den Menschen die Liebe des Vaters zu zeigen, um die Möglichkeiten der Liebe aufzuzeigen.
„Also hat Gott die Welt geliebt …“ Und der Sohn Gottes hatte seine liebe Mühe, den Menschen das Wort „Liebe“ zu buchstabieren. Selbst die Jünger hatten da so ihre Probleme, ihr Denken auf das Prinzip „Liebe“ umzustellen. Sie wünschten Menschen, die den Meister ablehnten, nichts Gutes. Petrus wollte seinen Herrn mit dem Schwert verteidigen. Und die Pharisäer, die wirklich sehr fromm waren und die Gebote Gottes minutiös erfüllen wollten, konnte Jesus nur in Einzelfällen davon überzeugen, dass die Liebe Gottes das entscheidende Element war, ist und bleibt ‒ neben der Erfüllung der Gebote Gottes. Er hat es als eine große Aufgabe für jeden einzelnen Menschen formuliert, diese Liebe dem Nächsten erfahrbar zu machen. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben.“ Eine riesige Aufgabe, an der jeder wohl lebenslang zu arbeiten hat. Aber doch die schönste Aufgabe, die der Herr uns im Leben stellen kann: Gib die Liebe, die du von Gott empfangen hast, an andere weiter.


Liebe und Enge vertragen sich nicht. Liebe und Neid ebenso wenig. Aber auch Angst und Liebe vertreiben sich gegenseitig. Johannes hat das sehr klar ausgedrückt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe.“


Jesus hat den Menschen die Liebe seines Vaters erklärt, die uns eine große Entlastung von Angst und Furcht sein kann. Unser himmlischer Vater ist Liebe, ist barmherzig und gnädig. Nur deshalb sind wir wahrhaft zur Liebe fähig. Wenn wir einmal die Friederike in uns entdecken sollten, gehen wir zum Herrn in seinen Knechten und tauschen unsere Angst gegen göttliche Liebe aus.

aus: Unsere Familie Nr. 5 vom 5. März 2017, „Nachdenken Nachfolgen“