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Wenn aus Grenzen Mauern werden

Abgrenzung und Ausgrenzung haben zurzeit Konjunktur – zwischen Ländern und Völkern, aber auch zunehmend in der Gesellschaft, im zwischenmenschlichen Bereich. Man schottet sich ab, errichtet Schranken und Mauern, gräbt sich ein. Woher kommt der neuerliche Hang zur Abgrenzung?
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Das Errichten von Grenzen ist genauso Bestandteil der menschlichen Natur wie der Drang zu ihrer Überwindung. Letzterer manchmal mit unabsehbaren Konsequenzen.

Das Überschreiten der einen durch das Gebot Gottes gesetzten Grenze, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, hatte zur Folge, dass der Mensch sich selbst aus der Gemeinschaft mit Gott ausgrenzte. Mit einem Mal befand er sich „draußen“; das Tor zum Paradies ist ihm seitdem verschlossen. Doch die Geschichte der tragischen und folgenschweren Grenzüberschreitungen ging weiter: Kain erschlägt seinen Bruder, der Mensch wird zum Feind des Menschen.

Als ob das nicht genug wäre, überschreitet die Menschheit mit dem Turmbau zu Babel ein weiteres Mal eine Grenze, die ihr offenkundig von Gott gesetzt wurde. Diese Vermessenheit straft Gott, indem er die Menschen zerstreut und ihre Sprache verwirrt. Nun zieht er Grenzen durch die Sprachenverwirrung, die die Verständigung für immer erschwert.

Die Lektion aus der Geschichte wäre: Das Nichtbeachten einer von Gott gesetzten Grenze schränkt die Freiheit des Menschen, seinen Lebensraum und seine Handlungsspielräume ein; es führt nicht, wie erhofft, zu einem Zugewinn an Freiheit, sondern zum Verlust von Autonomie. Doch die Lektion haben wir bis heute nicht gelernt. Das Problem dabei ist nicht zuletzt ein erkenntnistheoretisches: Welche Grenze ist gottgegeben beziehungsweise gottgewollt und welche ist von Menschen gemacht?


Mehr dazu unter „Glaube und Gesellschaft“ in: Unsere Familie Nr. 14 vom 20. Juli 2017